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Keine Grenzen, nirgendwo. Kraniche am Weg in sichere Winterquartiere. Hier: Im Anti-Nationalpark Neusiedler See (2020).
Keine Grenzen, nirgendwo. Kraniche am Weg in sichere Winterquartiere. Hier: Im Anti-Nationalpark Neusiedler See (2020).

Der lange ausgeklügelte, mit Bauplänenen aus den tiefsten Schichten des WWW ausgestattete und eben aus diesen Gründen nie angekündigte Umzug auf die .org-Domain ist beinahe geschafft. Btw ein Lockdown-Kollateral-Effekt.

Auch wenn es immer schwerer fällt, das Web als globalen, grenzenlos Raum zu nutzen und in ihm nach eigenen Vorstellungen hierarchielos zu leben, sind kleine Veränderungen immer noch möglich: Sich nationalistischen (Domain-)Politiken entziehen, beispielsweise, oder aber sich bei einer solidarischen Serverinfrastruktur einzumieten.

Was fehlt sind noch ein paar Privacy-Einstellungen, wie die lästigen Google Fonts los zu werden. Empfohlen sei an dieser Stelle das Firefox Addon noscript (alternativ Privacy Badger) zu installieren – oder besser noch das Tor Browser Bundle – und gstatic.com (fonts.gstatic.com) auf untrusted zu setzen. Damit wird das Nachladen der Schriften verhindert, spart Bandbreite und verhindert, dass Infos an Google gesendet werden, welche Seiten jemensch so besucht.

Analyse-Tools waren hier nie installiert. Serverseitig werden aber im Gegensatz zu früher keine IP-Adressen mehr gespeichert. Mit Ausnahme von einschlägigen Bots, davon sollten allerdings alle anderen gar nichts merken.

Have a nice day / night und bleibt gesund!

Vorwärts zu neuen Rücktritten

Nicht er hat die Balkan-Route schließen lassen, wie linke Zellen behaupten, sondern irgendwer irgendwo anders.

„Schwierigkeiten lauern auf den, der nicht auf das Leben reagiert.“ Michail Sergejewitsch Gorbatschow

Wer gestern die spontan einberufene Pressekonferenz des großen Vorsitzenden der ÖVP, der gleichzeitig die Rolle des österreichischen Bundeskanzlers bekleidet, gesehen hat, bleibt ratlos zurück. Als ob er gerade von einem nicht ganz entspannten Wochenende bei seiner Oma im Waldviertel nach Wien ins Bundeskanzleramt zurück gekehrt wäre, erzählt er scheinbar belanglos über seine Selbstbefindlichkeiten und verschwindet danach wieder so ausdruckslos wie er gekommen ist. Kaum in der Geschichte der 2. Republik wurde die Öffentlichkeit von einer Regierung derartig verarscht.

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Niemals vergessen

Erinnerungstafel im Memorial Gusen an die Republikanischen Spanier, die faschistischen Staaten zum Opfer fielen. Gewidmet von Anarchistinnen und Anarchisten, Mai 2008

Am 5. Mai 1945 wurden die Gefangenen aus den Konzentrationslagern Mauthausen und den Nebenlagern Gusen von Einheiten der U.S.-Armee befreit. Das Konzentrationslager Gusen wurde zum Todeslager für mehr als 4.000 anarchistische und kommunistische Kämpfer:innen für die Spanischen Republik.

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Der Staat als Social Hacker

"Verena Maier" bei einem ihrer letzten Auftritte innerhalb der anarchistischen Bewegung in Wien am 7. Juni 2011." Aus Undercover, Die Geschichte der britischen Geheimpolizei, Bahoe Books ohne Angabe weiterer Details. Ein Outing, wie es nicht gemacht werden sollte, findet a-radio.net

„Wird eine Spitzelgeschichte herrschaftskonform publiziert, kommt sie im Gewande eines Kriminalfalls daher. Die angeblichen Täter:innen werden vorgeführt, das unterstellte Verbrechen findet im Spitzelbericht seine Bestätigung und die sonst nicht sichtbaren Herrschaftsorgane im Spitzel selbst ihre Verkörperung.“
Markus Mohr, Klaus Viehmann

Das Spitzelwesen im Europa des 3. Jahrtausends unterscheidet sich durch nichts von Diktaturen und anderen autoritären Regimes. Das scheint niemanden wirklich zu stören. Ordentliche Bürger:innen freuen sich allenthalben über das versprochene Mehr an Sicherheit, das von Sozialen Bewegungen ernstlich oder vorgeblich bedroht wird. Gegen die Bespitzelung der Polizei durch verdeckte Ermittler:innen ist kein Rechtsmittel vorgesehen. Verdeckte Ermittler:innen müssen sich am Ende ihres vorgetäuschten Lebens bei den von ihnen Betrogenen weder entschuldigen, noch müssen sie sich danach erklären, wer sie eigentlich wirklich sind.

Der demokratische Rechtsstaat ist der Ansicht, über Personen, die er als „Gefährder:innen“ einstuft, obwalten zu können, als sei er könig:innengleich: Intransparent, willkürlich und an- bzw. verleitend. Umso bemerkenswerter ist es, wenn eine vom Staat missbrauchte Person vor Gericht zieht und Gerechtigkeit und – soweit möglich – Wiedergutmachung einfordert. Wie es der Aktivist Jason Kirkpatrick gerade in Schwerin versucht. Was dieser Versuch mit den Kill The Bill-Riots und dem dystopischen Überwachungsstaat zu tun hat?

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Dubamix – die Pariser Commune in vier Songs. Deutsche Übersetzung

Cover des Albums Communardes, Communard von Dubamix,2021. Im Vordergrund sind in neun Qudraten Pflastersteine abgebildet. Im Hintergrund halb transparent sind Kommunard_innen im Porträt abgebildet.
Dubamix, Communardes, Communards, 2021. Cover

„Fest nach Fest, Blutbad nach Blutbad, hat das Kapital, zermürbt durch all die Morde, die es verursacht, aufgerieben durch seine eigenen Handlungen, zu verschwinden.“
Louise Michel

Am 18. März 1871 wurde die Pariser Commune erkämpft. Dazu kann in diesen Tagen des 150. Jubliäums sehr viel gelesen werden. Das kollektiv zusammengesetzte Dubamix-Album hat die wenigen Tage, in denen einen emanzipierte und herrschaftsfreie Welt bestand, auf Communardes, Communards in vier Songs zusammengefasst und am 18. März 2021 veröffentlicht. Mit dem Minialbum wird daran erinnert, dass die Pariser Commune nicht auf ein historisches Ereignis reduziert werden kann: Die Commune lebt. Die Commune lebt in unseren Vierteln, in unseren Herzen, unseren ZADs (besetzten Zonen) und unseren Verzweiflungen.

Im Folgenden eine Übersetzung der französischen und englischen Texte.

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Corona-Krise und der Kampf gegen Energiearmut in der Region Spanien

Dolores, Aktivistin der anadalusischen Landarbeiter_innengewerkschaft SAT, die vergangenes Wochenende bei der Besetzung des Energieversorgungsunternehmens Endesa verhaftet wurde. Screenshot: Óscar Reina Gómez / twitter.com
Dolores, Aktivistin der anadalusischen Landarbeiter_innengewerkschaft SAT, die vergangenes Wochenende bei der Besetzung des Energieversorgungsunternehmens Endesa verhaftet wurde. Screenshot: Óscar Reina Gómez / twitter.com

Die Region Spanien wurde diesen Winter nicht nur von der Corona-Krise schwer getroffen, sondern auch von einem ungewöhnlich kalten Winter. Seit der sogenannten Wirtschaftskrise, die zu den monatelangen M-12-Protesten führte, ist die Kluft zwischen arm und reich unüberwindbar geworden. Die Zahl, der in die hoffnungslose Armut gedrängten Menschen, ist riesig. Die Covid-19-Pandemie hat die ohnehin schon für viele prekäre Lebenssituation noch einmal verschärft. Viele können sich die Lichtrechnung nicht mehr leisten. Der private Energiesektor dreht den Strom einfach ab. Im Madrider Stadtteil Cañada Real leben seit Monaten mehr als 7.000 Menschen ohne Strom. Die New York Times verglich die Zustände mit denen in einem bosnischen Elendslager für geflüchtete Menschen.

Menschen starben bereits an dieser kapitalistisch verursachten Energiearmut. Doch es regt sich auch Widerstand und Protest. Berichtet wird von Brandstiftungen und Farbanschlägen an Einrichtungen und Infrastruktur der großen spanischen Energieversorger. Die anadalusische Landarbeiter_innengewerkschaft SAT besetzte den Sitz des Energieunternehmens Endesa in Sevilla, dem größten Verursacher von Treibhausgasen in der Region Spanien. Ziel war es, die Vergesellschaftung der Energieunternehmen zu erreichen. Die Polizei reagierte mit Repression und im Fall der SAT-Aktivistin Dolores mit Folter. Óscar Reina Gómez, von dem hier schon die Rede war, machte diesen Fall am Wochenende öffentlich.

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Die Toten und deren Träume am Leben erhalten

"In Erinnerung an die, die für unsere Freiheit ihr Leben gaben". Memorial an die ermordeten Anarchist_innen von Casas Viejas.
„In Erinnerung an die, die für unsere Freiheit ihr Leben gaben“. Memorial an die ermordeten Anarchist_innen von Casas Viejas.

Am 10. Januar 1933 wurde in dem andalusischen Dorf Casas Viejas der libertäre Kommunismus ausgerufen. Der Großgrundbesitz wurde auf die Tagelöhner_innen aufgeteilt. Die Armut, der Hunger und die soziale und ökonomische Gefangenschaft schienen besiegt.
88 Jahre später hat sich wenig geändert. Die Latifundien gehören so wie damals dem Großgrundbesitz der adeligen Familie Mora Figueroa Dómeq. Am Acker arbeiten Tagelöhner_innen aus dem Dorf ohne Maschinen. Hier wird so weit das Auge reicht ökologischer Landbau betrieben. 34 Euro für sieben Stunden Handarbeit am Feld. „Sozialversichert, weil das sei in der Europäischen Union Vorschrift“, sagt Salustiano Gutiérrez. „Das ist der einzige Unterschied zu damals.“

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Herr Richard, die Rechten und die Ratten

Das Bild zeigt einen Esel als Arbeitstier im Hintergrund. Im Vordergrund steht eine jugendliche Person. Beide blicken einander an. Aufgenommen mit einer Voigtländer Vito B aus der Mitte der 1950-er Jahre auf der nördlichen griechischen Insel Skiathos Anfang der 1980-er Jahre.
Ein Esel und nicht ein Pferd als Arbeitstier. Aufgenommen mit einer Voigtländer Vito B aus der Mitte der 1950-er Jahre auf der nördlichen griechischen Insel Skiathos Anfang der 1980-er Jahre.

Der alte Gaul bog langsam um die Kurve zwischen zwei ebenerdigen Häusern. Das eine Haus bildete mit seinem Fundament, das mit einer personenhohen Mauer hintaus Richtung Fluss verlängert war, die sichtbare Grenze zwischen den beiden Grundstücken und ließ auf keine allzu freundliche Nachbarschaft schließen. Die Hufschläge knirschten oder – vielmehr – schliffen nun nicht mehr, als der Wagen von der betonierten Hauptstraße in den unbefestigten Innenhof gezogen war. Der Kutscher hing halb vom Wagen und regte sich nicht, auch dann nicht als das Pferd auf dem winzigen Anwesen halt gemacht hatte.

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Spenden wider den nationalistischen Rassismus

Ein früherer Gefangener des Polizeianhaltezentrum Hernals zeichnete eine Straf- und Deportationszelle. Diese besteht aus Beton und einem im Boden eingelassenen Loch. Diese Zellen sollen sich in einem unterirdischen Turm befinden.
Ein früherer Gefangener des Polizeianhaltezentrum Hernals in Wien zeichnete eine Straf- und Deportationszelle. Diese besteht aus Beton und einem im Boden eingelassenen Loch. Diese Zellen sollen sich in einem unterirdischen Turm befinden.
Screenshot aus dem Zine Deportation Prison, Vienna 2019. JACK Kollektiv

Mehr als 5.000 Tote durch Covid19 in der Region Österreich alleine. Infizierte, im Spital aufgenommen Erkrankte, wie viele benötigen intensivmedizinische Behandlung, darüber wird penibel Buch geführt. Mediale rassistisch-klassistische Zuweisungen inklusive.

Doch wie viele Menschen sterben vor den Grenzen dieses Staates? Wie viele sterben an den vorgelagerten Grenzen, weil die Balkanroute geschlossen wurde? Wie viele erleiden durch Hunger, Polizeibrutalität und rassistische Verfolgungen bleibende körperliche Schäden und (zusätzliche) psychische Traumata? Die Verwalter_innen des Erbes der extrem rechten Regierungsvergangenheit haben dafür zwar keine Buchhalter_innen-Rechenmaschinen, aber marketingtechnische Buzzwords, wie z.B Pull-Effekt.

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Hauptsache deutsch, Nikolo und türkis

SPÖ-Wahlplakat: Dem Kandidaten wird eine Sprechblase aufgemalt mit dem Text: "Ich möchte ein Guter sein, also wähle ich ANTIFA"

„Ich möchte ein Guter sein, also wähle ich ANTIFA“ wird in dieser Wahlplakat-Intervention dem Spitzenkandidaten der Sozialdemokratischen Partei in die Sprechblase gelegt.

Für die Wahlentscheidung, falls person sich an dieser demokratischen Posse überhaupt beteiligen möchte, die eine halbe Million Menschen, die hier leben, von der Wahl ausschließt, zur Erinnerung:

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